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Neues Auto neues Glück

Im vergangenem Jahr gab es einen kleinen Upgrade in der Firmenflotte.Auch mein Kampfbenz wollte in den Ruhestand, mein Physiotherapeut riet mir schon seit längerem zu einem ergonomischen Fahrzeug.

Also auf zur Werkstatt.

Ich muss dazu sagen, dank zig Leihfahrzeuge und günstige Konditionen war das Thema Firmenflotte, lange Zeit kein Thema. Entsprechend störte mich die ca. 5 jährige Vorarbeit mit der Daimler Niederlassung um den Kauf eines Neuwagens weniger. Als man mir dann endlich eine Audienz gewährte, äußerste ich meine Wünsche.

Bequem, einen wunderbaren Sound vor allem innen, gute Beschleunigungswerte vielleicht nen Kombi bei verschmerzbaren Spritverbauch.

Meine Idee war E Klasse 350CDI oder 500 Benziner.Das ganze mit nem Bose Soundsystem. Und was sagte mir der Verkäufer? Ja für das Geld, da hätte ich etwas anderes für Sie. Wäre denn eine S Klasse nichts?

Und ich dachte mir noch so, sehe ich aus wie einer der eine S Klasse fährt? Der Preis überzeugte mich, die Probefahrt mit dem S350 CDI weniger. Betraf lediglich die Leistung. Da man mir allerdings keinen 450 CDI als Vorführwaagen besorgen konnte, wars quasi ein Blindkauf. Ein fataler Fehler, wie sich später heraus stellte. Kaum war das KFZ endlich in meinen Händen, fand ich in Fachzeitschriften unzählige Hinweise auf schlechte Getriebe Abstimmung. Und leider, denn im wesentlichen war ich immer sehr zufrieden, traf das Ruckeln und Zucken auch bei mir ein. Es gibt einige Fahrsituationen in denen macht das Fahren keinen Spass. Verzweifelte Versuche des Herstellers konnten das Problem nicht lösen. Im Spass monierte ich dies beim Verkäufer. "Des Glump lass ich aber bald da." Die Antwort darauf: "Der 3. Versuch? Also eine Wandlung ist gar keine Problem." Etwas was ich irgendwie an meiner Werkstatt liebe. Da wird die schuld nicht beim Kunden gesucht sondern nach einer Lösung. Da es aber der 450 CDI oder Vergleichbar nicht mehr produziert wird und mir die 740 NM Drehmoment sehr ans Herz gewachsen sind. wurde die Suche schwieriger. Speziell wenn man im Preisgefüge bleiben will.

Da las ich doch prompt in einem Artikel, dass der AMG S63  so sparsam wurde, dass sogar ich als langjähriges Greenpeace Fördermitglied es mit meinem Gewissen vereinbaren könnte.

So kam es also nach unzähligen Terminen Zu - und Absagen und vielleicht oder doch nicht vielleicht...

Endlich ich durfte ganze 600 KM lang Sprit verbrennen. Meine sehr persönlicher Fahrbericht wie folgt.

Leider wurde es so, wie ich es schon vermutete. S63 lang statt kurz. Zwar mit Leitungssteigerung, aber auf 240 gedrosselt weil Winterräder.
Das hinderte mich jedoch nicht daran, das Fahrzeug ausgiebig zu testen und mit meinem bisherigen zu vergleichen.
ca. 600 Km stand man mir zu. Aufgeteilt auf 2 250 Kilometer war die Fahrt recht gut auf ein 1/3 Mix verteilt. Mein Bestreben war, nachzuweisen, dass man dieses Gefährt tatsächlich mit 10,5 Liter fahren kann. Ich habe diese Folter nach 10 Minuten abgebrochen.
Ergebnis: Es ist technisch vermutlich möglich, aus emotionalen Gründen nicht verantwortbar.

Da ich unglücklicher S Klasse Fahrer bin, prüfte ich erstmal meine bekannte Mängel.
Da war z.B. die Geschwindigkeitsanzeige links. Diese ist an meinem Fahrzeug in mp/h lässt sich nicht ändern. Im S63 war der Mangel behoben.
Die Linguatronic hatte gelegentlich Verständigungsprobleme. Schwäbsich sollte man einem Stuttgarter Produkt durchaus zumuten können. Der S63 war offensichtlich besser Sprachgewandt.

Presafe System und Hinderniswarnung.
Beide Fahrzeuge reagieren beim schnelleren einfahren in Autobahnauf / abfahrt nervös und warnen vor Hindernissen. (Leitplanke)
Dito Totwinkelassistent. Gelegntlich wird die Leitplanke zum "Auto". Was beim wechseln auf die Abfahrt sehr nervig sein kann, das Warngepiepe.

Schaltung:
Beim guten Alten bestand das Problem, dass Gänge sehr energisch eingelegt werden, obwohl es hierfür keinen Grund gibt.
Also ein Rucken aber ohne folgenden Vortrieb. Besonder ätzen im Stop and Go im Stau.

S63 schaltete vereinzelt (kam 2-3 mal im Verlauf der beiden Tage vor) mit Nachdruck, allerdings folgte dann eine nahtlose Beschleunigung. Soweit i.o. Meistens allerdings wird sehr sanft geschaltet und der Vortrieb sauber aufgebaut. Ohne wesentliches "Ruckeln", sieht man vom homogenen Druck der Massenträgkeit ab. Die Schaltvorgänge im unteren Geschwindigkeitsbereich 0 -25 km/h erfolgen ebenfalls mit einem kleinen Ruckeln ohne, dass dieses in einen Vortrieb endet. Im Vergleich zum S 450 CDI ist dies kaum wahrnehmbar. Anders gesagt, ich bin darauf sensibilisiert und daher wusste ich exakt auf welches verhalten ich warten muss. Habe das aber keineswegs als störend empfunden.

Die Schaltung gönnte sich gelegentlich eine Denkpause.

Nachteilig, die Elektronik kommt mit der Leistung des S63 nicht klar. Seitlicher Versatz beim beschleunigen ist einfach normal. So habe ich das für mich akzeptiert. ;-) Wäre ja auch schade, wenn nicht.
Alles in allem entspricht das Fahrzeug qualitativ genau dem, was ich mir bei meinem gewünscht habe.
Im Vergleich zum S 450 CDI singt das Getriebe. Bei steigendem Vortrieb fängt das Getriebe tatsächlich leicht an zu heulen. Nein, das ist nicht das pfeifen des Turbos. Das kann man meiner Meinung nach gut vernachlässigen, ist der Radio an, hört man davon nichts mehr. Man muss also genau hin hören.
Im unteren Drehzahlbereich bemerkte ich noch, dass der Vortrieb z.B. beim Rollen im Stopp and Go, mit Vibrationen einher geht. Quasi als wenn ein stotternder Motor versucht noch an zu treiben. Bei unter 1000 Umdrehungen.

Alles in allem kann man aber sagen, dass die genannten "Mängel" kaum zu merken sind. 99% der Fahrer werden das vermutlich nicht spüren.

Vermutlich kann es jeder anhand der Zahlen entnehmen (571 PS 900 NM Drehmoment 4,4 Sekunden 0 - 100), dass die Beschleunigung beim Fahrer ein breites Grinsen und dem Beifahrer eine Gesichtsstarre hervor ruft. Eine Bedrohung für die Fahrerlaubnis ist dieser Feuerstuhl zu jeder Sekunde.
Für mich stellte sich die Frage, wie Paxistauglich ist dieses Fahrzeug und als langjähriger Greenpeace Aktivist, kann ich dieses Fahrzeug mit meinem Gewissen vereinbaren?
Die Antwort: Genau der richtige Wagen für die Familie. Nur eine echte Achterbahn macht den Kleinen mehr Spass. Also eine ganze Familienfreude.

Zum Rest, ich habe meine Religion aufgegeben.
Naja nicht ganz. In den ersten 250 Kilometer war ich sehr euphorisch, was man dem Spritverbauch sofort entnahm.
Lindau München in rund 85 Minuten forderte einen geringen Spritverbrauch von 17,8 Liter / 100Km.
Diesen konnte ich nur durch eine 30 minütige Fahrt durchs Allgäu und diverse Pässe im Driftmodus auf knapp 20,3 Liter steigern.
Weiter ging es nach Landshut, auf welcher Strecke nicht nur die Durschnittsgeschwindigkeit stark litt, sondern auch der Verbrauch auf 15,7 Liter sank.
Es folgte Tag 2 der Probefahrt.
Es ging zurück nach Lindau und ich dachte noch morgens an folgend Szene:

E63 AMG, A8 Richtung Stuttgart, beim Drängeln,  Nötigen, und einem Sicherheitsabstand eines Blattes Papier (60g nicht das Dicke mit 80g) bei weit über 200 KM/h. Wollte ich mich zu diesen ****
hinzu zählen? Eigentlich nicht. Also versuchte ich den 2. Tag so zu fahren, wie sonst auch. Zügig, mit angemessenem Sicherheitsabstand max. 220 , passiv, so dass die Bremse nur noch als Sicherheitsinstrument dient. Klingt jetzt recht langweilig, nach Wackeldackel und Strohhut. ;-) Aber sehr effektiv. Und ich war im Schnitt schneller als am Vortag auf der entgegen gesetzen Strecke.

Ergebnis nach knapp 250 Km durch Landshut, durch München (mittlerer Ring über den Süden zu A96 der Lange Weg also) zwischenstopp Wangen im Allgäu.
Der Spritverbauch lag bei ca. 12,7 Liter für die komplette Fahrt beider Tage bei 14,2 Liter. Schlimmer als der Spritverbrauch dürfte hingegen der Reifenverschleiß sein. 2,5 mm auf 100KM?
Die Durschnittsgeschwindigkeit im übrigen bei 153 KM/h, es war auch recht frei.
Unter diesen für mich und meine Fahrweise gültigen Zahlen, ist das Fahrzeug tatsächlich alltagstauglich auch ohne, das man einem M6 eine Chance geben müsste, vor einem zu fahren.
Ich werde mir den Kauf trotzdem eine Woche lang durch den Kopf gehen lassen. Denn offen gestanden bin ich im nachinein sehr froh, dass dieses Geschoss auf 240 gedrosselt war, wegen der Winterreifen. Das erste mal in meinem Leben erfüllte mich eine Angst bei meiner eigenen Fahrweise.....

Etwas, das wird wohl kaum jemand glauben mögen:
So sehr mich dieses selbstbewusste Brüllen aus den Endrohren beindruckte, um so mehr ging mir der Lärm nach der 3. Fahrtstunde auf den Kecks und wäre froh gewesen, diese Leistung gäbe es auch mit abschaltbarem Lärm. Beim Tesla war das ein richtiger Pluspunkt. Das lässt sich aber mit dem Harman Kardon Soundsystem klasse überschallen und klingt, als säßen die Egerländer auf der Rücksitzbank.

Zum Schluss habe ich mir die Frage gestellt, braucht man so viel Leistung?
Eigentlich nicht. Meinen S450 schaffe ich nur selten aus zu fahren, den S63 vermutlich nie.Der Verkehr gibt es einfach zu selten her. 

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