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Die IT-Eierlegendewollmilchsau 24/7 Einzelunternehmen Welt AG

Ja es gibt ab und zu Tage, da resümiere ich über gelesene Skills/ Bewerbungen und was die Herren sonst so alles können wollen. Zwischendurch gibt es ja auch bei uns Projektarbeit, die extern vergeben werden muss. Naja und bei der Auswahl des richtigen Kandidatens muss man halt auch prüfen wer den am besten passt von den "Freelancern".

 Hat man ein entsprechendes Profil vorliegen, so mach ich das, suche im www nach mehr Belegen und ggf. Spuren. Häufig stolpert man dann auf selbst gebastelte Webseiten ( seit 13 Jahren Selbständigkeit haben wir es noch zu gar keiner Webseite geschafft ...) . Was man dann oft zu lesen bekommt schlägt häufig dem Fass den Boden aus.

Ich erwarte in einem Profil durchaus eine gewisse Durchgängigkeit und Plausibilität. Kann man nicht immer erwarten. Besonders bei Neulingen ist das häufig noch nicht gegeben. Es gibt Dinge, die schreien aber förmlich zum Himmel.

Bei meiner Recherche nutze ich natürlich Tools, welche eine historische Rechereche ebenfalls erlauben. So stolpert man also manchmal über Dinge, die einem sehr genau erläutern, ob und was derjenige drauf hat.

 Was mir immer wieder ins Auge Sticht: Klar zu erkennende Einzelunternehmen, versuchen sich als "fiktive grosse tolle Gesellschaft dar zu stellen." Bemüht man maps.google.de dann ist der Schwindel häufig zackig aufgedeckt. In einem 100 Einheiten Hochaus im sozialen Brennpunkt einer Stadt kann man keine, i.d.R. in der Branche wirtschaftlich gut gestellten IT Unternehmen erwarten. Es ist halt einfach so.

Zum anderen stelle ich immer wieder fest, dass gerade solche neben systemnaher Programmierung unter c,c++ nebenzu natürlich noch Java php, RoR und co kann. Alles aus dem FF, ist klar. Daneben sind das dann noch die Top Systemadministratoren mit fundiertem tiefen Wissen um AIX, Linux, Sun Solaris HP-UX, Sicherheitsexperten, DBAS von Oracle, Postgres, Mysql, DB2. Apache, Tomcat, Weblogic, Websphere usw. usw. usw. gehören natürlich dazu. Kann er alles der Kandidat. Und natürlich macht er nebenzu noch das ganze Projektmanagement ...

Interessant bei einem Profil und der Recherche war folgendes:

2007-2009 warb der Kandidat mit einem Stundensatz jenseits der 80.- EUR. Unter der Hand habe ich erfahren, dass er keine 50.- EUR bekommt. Inzwischen, das obwohl 2010 ein Erfolgsjahr war, ist er nun für 50.- EUR zu haben. Ausgerechnet zu einer Zeit, in der man eigentlich schon wieder händeringend nach den Perlen fanden muss.

Ich fragte mich, was kann er wirklich. Hat er Nachweise für seine Qualifikation? Ich bin nun nicht sehr auf Zertifizierungen focusiert. Es interessiert mich nicht, weil ich zu oft erleben musste, dass mancher OCA, OCP trotz geblümten Stempel auf dem Zertifikat keine aber auch gar keine Praxiserfahrung an den Tag legte. (Für einen eigentlich Einzeiler in SQL einen Tag an einem PL/SQL Script herum scriptete was hinterher auch noch fehlerhaft war.) Seine Webseite lies nicht viel Schlüssel und Schlagworte auffinden, was auf einen technischen Einblick der selbst angekündigten Fähigkeiten vermuten lies.

Also simpel gesagt war da folgendes zu lesen:

"Wir sind toll, können alles machen alles viel besser als es ist und das können unsere unzählige Kunden bestätigen." Nur, keine Schlüsselworte keine Fachbegriff zum Thema Systemoptimierung, DB Optimierung Backup, Recovery oder gar zum Thema Projektmanagement, Prince Itil etc. etc.

 Noch nicht mal eine ITIL oder Prince oder oder oder Zertifizierung. 

Die Ankündigung, dass man 24*7 erreichbar ist und den besten Service zum Festpreis macht....... das ist schon förmlich ein Hilferuf: "Ich habe keine Arbeit und keine Einkommen brauche dringend was. Egal was."

 Leider wird das wieder sehr stark die Runde machen und sich wieder Quereinsteiger in der IT tummeln, die meinetwegen für die Kumpels Drucker Installieren, Grafikarten tauschen und Virenscanner installieren. Aber eigentlich von der IT der Programierung in komplexen Umgebungen und verteilten Programmen, juristischen Verantwortlichkeiten alles nur keine Ahnung haben. Dann aber die Profis sind, die kürzlich einem meiner Bestandskunden dank  plätten eines DB Servers den Betrieb rund 2 Tage lahm gelegt haben. Sicher, Fehler passieren und man sollte seine It natürlich gegen solche Dinge abssichern. Aber es gibt auch Grenzen und die fangen beim reinstall auf, wenn man kein Zugang zu einem System hat, welches als Datenbankserver bezeichnet ist.

 Wie auch immer, Lebensläufe erzählen einem schon vorrab  sehr gut, wie gut sich der Kandidat behaupten konnte. Freiberufler sind zwar naturgemäss eher selten langfristig in Unternehmen gebunden, aber Projekte können durchaus mal 6-24 Monate laufen. Wenn aber ein Entwickler z.B. gar keine "Linie" in seinem Profil hat. Also viele Projekte und vor allem, thematisch stark unterschiedliche Bereiche abdeckt z.B. "Drucker reparieren", Entwicklung einer Webanwendung in PHP", "Aufbau eines Oracle RAC und Performance Tuning". Dann ist das schon ein Indiz, dass der Kandidat eher verzweifelt versucht Fuss zu fassen aber in keinem Bereich wirklich zu gebrauchen war. Es mag auch Ausnahmen mit einem sehr breiten Fachwissen geben. Aber das ist doch eher selten. Das wiederum lässt sich mit einem Bewerbungsgespräch und einer Arbeitsprobe ratz fatz heraus finden.

 Bewerbungsgespräche laufen häufig wie folgt ab:

Der Bewerber erzählt erstmal über seine bisherigen Projekte und welche Tätigkeitsschwerpunkte er dort hatte. Deckt sich das nicht mit seinem Lebenslauf, dann ist da wohl einiges frei erfunden. 

Man merkt sich grob, was er da alles gemacht hatte. Sozialkompetenz und Loyalität ist ein nicht unwichtiges Thema. Wie spricht der Bewerber über die ehemaligen Projekte. Kritik darf ggf. ja durchaus sein. Warum wurden die Projekte beendet? Höre ich heraus, dass  die Projektenden seltenst die Fertigstellung eines Projektes / Produktes waren, dann werde ich auch hier gerne hellhörig. Bei einem Bewerber, der im Verlauf von 4 Jahren an 17  Projekten mit wirkte gab es zu jedem Projekt abenteuerliche Geschichten, warum dieses beendet wurde. Beim einen Projekt hätte der Kunde Ihn betrogen, bei einem anderen wars der Vermittler, beim dritten wurde er gemobbt usw. usw. Auch das kommt vor. Nachdem man etwa weiss, welche fachliche Schwerpunkte der Bewerber in seinem Leben hatte stellt man fachliche Fragen dazu. Ruhig erstmal etwas oberflächlich und war das kompetent genug tiefer in die Materie einsteigen. Das macht man mit jedem wichtigen Bereich. Aber Vorsicht, nicht das Gefühl vermitteln, dass er keine Ahnung hat und auf speziellen Themen herum reiten. Ich kann mich auch noch an die Situation erinnern, dass man mich zu meinem Perl Kenntnissen befragte mir aber ad hoc auch gar keine Perl Modul eingefallen ist, mit denen ich häufiger arbeite.  Das war mir sehr peinlich zumal ich am Vortag noch diverse Scripte für einen Kunden erstellt habe. Nicht mal das simpleste "strict" fiel mir da ein.

Ob die Softskills passen, das sind Dinge die muss man direkt heraus finden. Wichtig ist, dass einzelne der Kollegen mit bei der Vorstellung sind, damit sich auch diese Ihre Meinung einfliessen lassen können. Der AL z.B. ist hinterher gänzlich uninteressant in Sympathiefragen, wenn der neue Kollege im Team nicht angenommen wird.

 Ich hoffe mal, das hilft ein wenig, Bewerber besser ab zu klopfen und genauer zu hinterfragen, was da Sache ist. Denn heute wird's wieder Zeit genauer zu prüfen, ob der vermeintliche tolle Hecht auch einer ist.

 Achja ;-) und manchmal mache ich mir den spass und schau doch mal ob eine 24*7 Service Unternehmer auch am Sonntag morgens um 05:00  nochmals erklären kann, was er im Projekt XXX genau gemacht hätte und ob man bei dem Kunden / Auftraggeber / Arbeitgeber eine Referenz einholen darf. Manchmal lernt man dabei schöne neue Schimpfworte. Aber nun gut, man kann ja auch nichts dafür, wenn manche ihre Kunden mit angeblichem freundlichem Service und rund um die Uhr tel. Erreichbarkeit in die Irre führen.

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