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Sommereifen sind besser als Winterreifen?

Kürzlich wollte mir jemand erzählen, dass Sommerreifen besser sind als Winterreifen.

Die weichere Mischung sei das Problem, weshalb also ein Winterreifen auf trockener Fahrbahn immer schlechter sei als ein Sommerreifen. Damit wollte man mein Argument, ab 7° Grad wird es Zeit sich mal über Winterreifen Gedanken zu machen. Genauer gesagt, ab 7° sollte es einem der Menschenverstand vorschreiben welche zu verwenden, entkräften.

 Nunja zu dieser These gabe es leider keinen Nachweis, wer welche Reifen und wann gegeneinander getestet habe. Die 7 Grad wären ja nur ein Marketing Gag der Reifenindustrie. Sommereifen würden bis -15° optimal haften...

 Auch hierfür keinen Nachweis, dass es so sei. Ich bestreite nicht, dass Sommerreifen nicht exakt bei 7° die Haftung rapide verlieren. Aber bei 7° unter Tags kann es nachts auch mal gefrieren. Meine Erfahrung war dann auch, wenn es mal nur noch 7 ° draussen hat, dann ist der Winter nicht mehr weit und man muss halt mal mit Schnee, Reiff etc. rechnen. Und da taugt halt ein Sommerreifen häufig nichts mehr. Da meine Sommerreifen zum Winter hin gut abgefahren sind, können die rein vom Profil her gesehen bei Nässe gar nicht mehr so gut haften wie ein neuer Winterreifen aus dem Laden.

 Trotzdem hat mich die Frage, trotz sehr mageren und unzureichender Datenbasis interessiert, ist der Sommerreifen wirklich so viel besser?

Der Stern hat mal einen aufreisserssichen Titel gegen die Einführung der Winterreifenpflicht geschrieben.

Streit um die Sicherheit

Es gibt aber eine Reihe mehr Artikel zum Unterschied zwischen Sommer und Winterreifen.

http://www.focus.de/auto/ratgeber/sicherheit/reifen/grundlagen/reifenwahl-ein-unterschied-wie-sommer-und-winter_aid_336393.html

http://www.stern.de/auto/service/unterschiede-zwischen-sommer-und-winterreifen-alle-reden-vom-wetter-558432.html

 http://www.stern.de/auto/service/richtige-bereifung-was-kann-ein-sommer-und-was-ein-winterreifen-1519210.html

Soweit so gut. Was suggeriert uns der Artikel des Sterns?

Sommerreifen sind besser.Und was sagt der Test tatsächlich aus?

Eigentlich nicht viel. Es sagt lediglich aus, der Tester hat willkürlich Reifen gekauft, aufgezogen getestet und das schlechteste Ergebnis waren 3,3 Meter längerer Bremsweg. Natürlich wurde mir gesagt, dass das enorm viel sei und auf jeden Fall zwischen Leben und Tod entscheide. Jaja, wie läppisch diese "3 Meter" eigentlich sind, zeigen gleich mehrere Dinge. Aber zuerst einmal muss man verstanden haben, was das Ergebnis dieses unzureichenden und nicht nachprüfbaren Tests tatsächlich bedeutet.

Das schlechteste Ergebnis war eine Differenz von 3,3 Metern zu gunsten des Sommerreifens.

D.H. im Klartext, da wurde der schlechteste Winterreifen mit dem besten Sommerreifen verglichen.

Wir müssen auch noch eine Kleinigkeit berücksichtigen. Der Test mit den 3,3 Metern wurde vermutlich aus 50 KMh gemacht, der nachfolgende Stand zu den Sommerreifen aber aus 100KMh.

Ich lese mir nun die Ergebnisse aus einem Sommerreifentest diesen Jahres durch und komme zum Ergebnis:

http://www.focus.de/auto/ratgeber/sicherheit/reifen/sommerreifen/tid-17348/sommerreifentest-wer-zu-viel-spart-zahlt-mit-sicherheit_aid_481976.html

40 Meter Bremsweg liegen zwischen dem besten und dem schlechtesten Sommerreifen.

Zwischen dem schlechtesten Winterreifen (ok bei 50 KMh) gerade mal 3,3 Meter. Eventuell weiss das jemand richtig hoch zu rechnen. Müsste theoretisch bei ca. 12 Metern für 100Km/h liegen.

 Ich für meinen Teil ging von einer linearen Verzögerung aus, habe dazu 2 Graphen erstellt und stelle fest, dass die Differenz zwischen bestem Sommerreifen und schlechtesten Winter max. ca- 3 KMh betragen.  (Damals habe ich noch sehr zum Vorteil des Sommerreifen gerechnet mit 100KMh. Das war aber falsch.)

Heisst also, mit weniger als 3 KM Geschwindigkeitsunterschied, habe ich den längeren Bremsweg ausgeglichen. Ich bin fast der Überzeugung, dass 90% der Autofahrer eine doppelt so hohe Toleranz aufweisen beim versuch exakt 100 KMh zu fahren.

Mein Fazit daraus ist: Wer anhand solcher Daten ablesen möchte, dass Sommerreifen gegenüber Winterreifen gänzlich im Vorteil sind bei Temperaturen von 0-10°, der sollte zuerst einmal Fragen, wer nun wirklich die Kunden auf den Arm nimmt. Die Zeitung, die nach Verkaufzahlen ringt oder wirklich die Reifenhersteller, die ggf. bewusst oder unbewusst eine Fausformel 7° geschaffen haben.

Ich für meinen Teil halte viele Faktoren für einen VU mit Todesfolge realistischer als der recht theoretische und hypothetische Ansatz dass sogar bei Kälte Winterreifen schlechter seien, als Sommerreifen.

Aber vielleicht nimmt das Thema ein seriöses Blatt auf und testet nachvollziehbar die Differenzen zwischen Sommer und Winterreifen. Bis dahin werde ich weder am Sommer noch am Winterreifen sparen und werde vermutlich den angeblichen Nachteil des Winterreifens nie ernsthaft feststellen können. Ausserdem, und das zeigt mir dieser doch recht unseriöse Test auf, bin ich mit der schlechteren Wahl des Winterreifens besser dran als wenn ich mich am Sommerreifen vergreife. Ob das wohl jemandem einleuchtet, der beim Schmierblatt* entnommen hat, Sommerreifen sind besser als Winterreifen?

*Name frei erfunden und steht stellvertretend für Zeitschriften, Blogs und Redakteure die alles mögliche Testen um ein für Ihre Bedürfnisse verwertbares Ergebnis zu erzielen. Oder anders gesagt: Die so lange am Versuch herum drehen, bis das Ergebnis stimmt, damit man wenigstens ein Argument hat für seine Behauptung. Auch wenn dieses nicht der Wahrheit entspricht. Oder ganz anders gesagt. Vertrau nur der Statistik, welche du selbst gefälscht hast.

Noch keine Kommentare

  • Andreas Stein  
    Hast Du hier nun keinen Denkfehler?
    Deine Ausführung würde auch bedeuten, dass der beste Winterreifen immer schlechter sein müsste als der schlechteste Sommerreifen.
    Das kann ich mir aber nicht vorstellen.

    Andy
    #1
    • Matthias Weiss  
      Das war bewusst zum Vorteil des Sommerreifens betrachtet. Damit auch jeder merkt, wie absurd dicht der Unterschied liegt, als dass man dieses als Argument für die Wahl des Sommerreifens nehmen könnte.

      Es gibt leider keine verlässliche Aussage, wo sich der Beste Sommer und Winterreifen bewegten.
      Das wäre für eine solche Betrachtung nützlicher gewesen. Zudem muss man anmerken:
      Ich habe die Aussage "Sommerreifen sind grundsätzlich besser als Winterreifen auf trockener Strasse als Basis der Feststellung, schlechtester Sommerreifen ist besser als bester winterreifen. Sonst wäre diese Aussage falsch.

      Das schlechteste Ergebnis: Sommer gegen Winterreifen war 3,3 Meter (dann kann es nur der beste Sommerreifen gegen den schlechtesten Winterreifen gewesen sein, denn alles andere wäre vom Ergebnis besser.

      -> Die Toleranz von 40 Meter und den "3,3 Metern" passen aber nicht zusammen.
      Sicherlich, man müsste 6,6 Meter annehmen bei 100 Km/h. Nehmen wir halt 10, dann liegt das trotzdem noch 4 mal näher am besten Sommerreifen wie der schlechteste Sommerreifen.
      Es sind also keine verlässliche Zahlen.
      Nehme ich hingegen die Testberichte einiger Fachteitschriften zur Hand vergleiche dort die besten Reifen der gleichen Grösse liegen diese Dicht beieinander. Hier sind jedoch die Temperaturen mit hoher Sicherheit nicht identisch. Weshalb die Reifen Vorteile ausspielen könnten.

      Repräsentativ wäre nur eine Vergleich über einen Kompletten Satz von Sommerreifen und Winterreifen bei definierten Temperaturen zwischen 0 und 7°. Dann der Durschnitt ermitteln, nachdem man dann mit fug und recht behaupten könnte, dass Ein Typ an Reifen dem anderen überlegen oder unterlegen ist.
      Nimmt man die Besten beider Typen zum Vergleich könnte man ebenfalls zum Schluss kommen, dass einer der Typen dem anderen überlegen ist, auch wenn z.B. eine durchschnittliche Betrachtung dem ganzen widerspricht.

      Es stellt sich also auch sehr die Frage, welche Daten nimmt man zum Test heran und wie viel Mühe macht man sich diese zu hinterfragen.

      Einer Sache bin ich mir nach langem Studium der Testberichte sicher, die besten Winterreifen stehen den besten Sommerreifen auf trockener Fahrbahn und bei Nasse unter 7° i.d.R. in nichts nach. Die Unterschiede sind hier so gering, dass man kaum sagen kann, welcher Typ welchem in oben genannter Situation überlegen ist.

      (Und die Auswirkung von Splitt und Salz auf der Fahrbahn auf den Bremsweg ist deutlich größer als dass der der Gummimischung. Da hilft auch das ganze hätte, wäre, wenn und aber, nichts. Man muss sich dabei keine schlechtes Gewissen einreden lassen.)

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